Stillstand aushalten, den Raum halten

Verkantung und Stagnation im Therapieprozess

Der Anspruch auf Bewegung

Therapien haben von beiden Seiten, also auf der Seite der Patientinnen und auf der Seite der Therapeutinnen, den Anspruch, Bewegung und Handlung im Sinne des Therapieprozesses zu ermöglichen. Stillstand und Stagnation auszuhalten, ist zuweilen eine Herausforderung im Therapiekontext sowohl für Patientinnen als auch für Therapeutinnen. Es kann sein, dass es mehrere Sitzungen braucht, um aus diesem Zustand wieder in eine als solche wahrgenommene Dynamik zu kommen.

Nicht verloren gehen

Diese Phase, die als bewegungslos empfunden wird, kann in unterschiedlicher Weise hilfreich für den therapeutischen Prozess sein. Zum einen kennen einige Patient*innen das Gefühl der Stagnation und die daraus resultierende Handlungsblockade und können sich in einer aus dem Alltag enthobenen Situation und in einem geschützten Raum entscheiden, diese Episode zu erleben und den daraus entstehenden Emotionen zu begegnen. Eventuell bemerken sie, dass sie trotz aufkommenden Drucks und innerer Erwartungen nicht verloren gehen und sich dadurch neue und andere Gedanken und Strategien offenbaren.

Den Raum halten

Zum anderen hat der Therapeut/die Therapeutin die Möglichkeit, den Raum zu halten und die Krise mitzubegleiten. Das gemeinsame Aushalten und Dasein, ohne nach sofortigen Lösungen zu suchen, kann die Patientinnen-Therapeutinnen-Verbindung stärken. Um diese Herausforderung zuzulassen, ist vorangegangenes Vertrauen und transparente Kommunikation essentiell. Das heißt, dass der Therapeut/die Therapeutin die Situation benennt und damit Transparenz gewährleistet und Mehrdeutigkeit bestenfalls vermeidet.

Die Basis für einen sicheren Raum

Auch wenn es ein Übereinstimmen zwischen Therapeutin und Patientin gibt, kann sich diese Phase unsicher und ausgeliefert anfühlen. Die Basis für einen sicheren Raum ist das Vertrauen der Therapeutin/des Therapeuten, die Situation einschätzen zu können, um jegliche Überforderung der Patientin/des Patienten wahrnehmen zu können und daraus fürsorgliche Interventionen abzuleiten.

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